Reisebericht Gardasee 07
Verfasst: 03 Mär 2009 23:06
Tag 1.
Nachdem die Spritpumpentransplantation erfolgreich durchgeführt werden konnte und so unserem Ritt gen Süden nichts mehr im Wege gestanden ist, habe ich auch das Ende des für uns so bedauerlich kurzen Ö-Treffens genießen und erholsamen Schlaf finden können.
Nach dem Aufstehen - geweckt von Connis schon leicht gestresst klingender Engelsstimme - wurde dann gepackt und ich konnte es kaum erwarten loszureiten - bis ich das erste Mal auf meinen bepackten Bock steigen wollte.
Die erste Erfahrung des Tages: Eine ZXR ist keine Tourenschaukel und ein zweistöckiger Tankrucksack sieht nicht nur aus wie der "Turmbau zu Babel", sondern unterbindet jeden Versuch vernünftig auf diesem Moped zu sitzen, geschweige denn ohne Liegestütze über der Kanzel noch auf den Tacho sehen zu können.

Plan B: Einen Teil als Rucksack benutzen (Aldi hatte da damals mitgedacht und schon Gurte angebracht) und schon hat man freie Sicht und halbwegs angenehme Bewegungsfreiheit. Also kann auch eine ZXR zum Tourer werden - jedenfalls was die Tragfähigkeit und Ladekapazität angeht.
Nach dem Verabschieden bei unseren Frauen und Freunden ritten wir bestens gelaunt gen Süden. Sehr angenehmes Reisetempo, Mühle rennt, Asphalt bebt, Alles easy!
Hinter dem Felbertauerntummel dann der erste Tankstop. Klaus hat mich angeblich angehupt, da er schon auf Reserve war, aber mein Weg hat mich instinktiv zur letzten Tränke vor dem Sprungpunkt nach Italien geführt: Mein persönlicher Horror, dem Staller Sattel.
Natürlich haben wir es zeitlich nicht so perfekt hinbekommen beim Startschuß in der ersten Reihe zu stehen. Aber wir haben schon als die Strecke noch eine halbe Stunde gesperrt war unmisverständlich und kompromislos klargestellt, wer uns nicht im Weg rumschaukeln wird: (Da hätten wir auch auf den Bus warten können!) ABER IHR NICHT!!!


Nach dem wir die verbleibende halbe Stunde bis zum Massenstart mit einer Bockwurst bei herrlichstem Wetter und grandioser Aussicht totgeschlagen hatten, wurde es auch langsam Zeit - auch für unsere Blasen!
Ne Toilette wäre nicht schlecht gewesen - aber der einzige Topf dort oben wurde von einer hyänenhaften Horde holländischer Rentner umkämpft, wie das letzte Stück Kuchen vor dem Deep Impact. Also haben wir dann doch noch eben schnell eine Klettertour hinter die nächsten Scheunen unternommen. Dann gings los!
Auf dem Weg nach unten (mit ner Tüte Gänsehaut unterm Helm) habe ich dann unterwegs Klaus noch eben die Stelle meines Verderbens gezeigt. (Übrigens inzwischen PERFEKT geteert!!!)
Völlig problemlos ging es dann weiter Richtung Grödner- und Sella-Joch.
Kurz vor dem Anstieg hat uns dann aber doch noch eben ein Gewitterwölkchen an den Straßenrand getrieben - direkt gegenüber einer recht sympathisch wirkenden Pizzeria. Nachdem sehr schnell entschieden war was man 13:00 in Südtirol bei drohendem Regen am Besten macht, haben wir uns einstimmig gegen Ganzkörperkondom und für eine "kleine Stärkung" entschieden.

Die Sonne schien wieder und keinem von uns ist die halbe Pizza lang aufgefallen, daß jeder gerade damit beschäftigt war die Pizza des anderen zu vernichten. Als wir diese Tatsache korrekt ermittelt hatten, haben wir einfach die Teller getauscht und - wie es sich gehört - brüderlich geteilt, wie danach dann auch die Rechnung.
Und dann kams: keine 5 Kurven sind wir weitergekommen, als wir feststellen mussten, daß besagte Regenwolke hinterhältig hinter einem Tunnel auf uns gewartet hatte ...
Nach 5 weiteren Kurven wars auch schon wieder vorbei und das Bisschen Feuchte in unseren Klamotten war schnell vergessen, als wir die ersten Kurven gen Grödner-Joch als Nachtisch serviert bekamen. Bereits da war klar, daß unsere Reifen etwas Arbeit vor sich hatten.
Auf dem Sella-Joch war uns jedoch klar, daß auch unsere Regensachen noch Arbeit bekommen würden!
Also dann eben doch in den Fetisch-Fummel!
Und was soll ich Euch sagen: Abermals KEINEN TROPFEN bis ins Tal, ans Ende eines MÖRDERSTAUS in Canizei - IN PRALLER SONNE!!!
Wir sind noch keine 100m weitergekrochen und ich habe schon gedacht meine Eier wären hart! Spaßiger Weise hatte ich zuvor auch noch meine polarexpeditionstauglichen Winter- und Regenhandschuhe angezogen! Was ich nicht wusste war, daß bei schweißnassen Händen das Innenfutter beim Ausziehen an den Händen pappenbleibt und mit rausgezogen wird!
Als wir dann endlich durch dieses Schweinekaff mit den 3 ausgefallenen Ampeln durch waren, wollte ich nur noch eins: Raus aus diesem Backschlauch!
Also zogen wir an der nächsten Tanke raus und zogen den Plastikfummel aus und die richtigen Handschuhe wieder an. Aber getankt haben wir nicht, denn in 50 km Restreichweite finden wir sicher noch eine Zapfsäule! (Böser Fehler!!!)
Ich wusste es genau! Am Fuße des Manghenpasses ist eine Tankstelle!
Da ist sie auch heute noch! Nur war diese Sonntagnachmittags geschlossen!
Nachdem wir 30 weitere Kilometer auf der Suche nach Sprit vollkommen sinn- und planlos durch die Vegetation geirrt sind, war uns klar, daß wir nicht auch noch unsere Reserve verplempern sollten!
Also sind wir wieder hoch in die dünne Luft gestartet.
Ich wußte ja vom letzten Jahr was einen am Manghenpass erwartet, aber Klaus hatte am Gipfelhaus das ganz breite Grinsen aber auch ausgeprägte Transpiration im Gesicht stehen.
Im Nachhinein: Ich habe es doch sehr bedauert ausgerechnet auf dieser Strecke gezwungener Weise "spritsparend" zu fahren. Aber wir haben ja noch eine Woche Zeit...
Auf dem Weg nach unten habe ich auch deshalb meinen Motor aus gelassen und bin die 15km einfach gerollt - bis zur lang ersehnten ersten Tanke im Tal, einem Tankautomaten, der aber auch wirklich nur italienisch schreiben konnte was er von einem wollte. 10€-Scheine nahm er dann auch. 5€-Scheine schmeckten ihm nur die frisch gedruckten!
Na dann muß reichen was unseren Tanks zugestanden worden ist.
Wie auch anno 2006 gings von da an völlig problemlos weiter - bis auf die mir sehr vertraute Suche nach dem Zugang zu "Folgaria". Nachdem wir dann mit Händen und Füßen 3 Einheimischen vermittelt hatten wo wir hin wollten, war auch die letzte Hürde geschafft. Von Rovereto aus starteten wir zum ersten Zielsprint über die SS46 und wir liefen gegen 20:00 erleichtert bei Paolo in "Foxi" ein.

Dann gabs auch gleich was Geiles zu essen und nach 4 Bieren pro Schlund und der Feststellung, daß Klaus seine gesamten Papiere Conni auf die Heimreise mitgegeben hatte (
Kroatien adée), sind wir wie die Steine ins Bett gefallen.
Tagesfazit: Den Admin erfolgreich ins gelobte Kurvenland geführt!
Part II.
Tag 2. Monte Baldo-Day
Der erste wirkliche Urlaubstag begann, wie er nicht beginnen sollte:
1. um 4:00
2. mit einem Donnerschlag, der mich senkrecht im Bett stehn lies.
3. mit einem für meine Begriffe unangenehm lauten Rauschen.
Aus den süßesten Kurventräumen gerissen, kam mein im abgesicherten Modus startendes Betriebssystem erst auf die Idee, Klaus hätte die Dusche betreten - aber Gott sei Dank bevorzugt auch er im Urlaub erst nach dem Morgengrauen aufzustehen - aber ich erkannte dann doch ein Gewitter vom Allerfeinsten.
Als nächstes erinnerte ich mich daran, daß wir unsere Stiefel und bei der Anreise getragenen Funktions- und Lederklamotten z. T. auf links gekrämpelt im offen stehenden Fensterstock ausgebreitet hatten, um den zarten Verwesungsgeruch unserer obersten Hautschichten aus den Klamotten in die Freiheit zu entlassen.
Nachdem ich dann meinen von der Anreise durchgenudelten Körper in eine aufrechte Position bringen und unkoordiniert Richtung Fenster in Bewegung setzen konnte, knurrte Klaus unter der Bettdecke hervor, er habe schon alles in Sicherheit gebracht.
Also drückte ich auf meinen Resetbutton und fiel wieder zur Seite in mein Bett und sofortige Stasis. Dabei registrierten jedoch meine Ohren weiterhin, daß es die verbleibende Nacht kontinuierlich weitergoß, was der italienische Himmel für uns aufgespart hatte.
Das blieb auch leider so bis wir so gegen 9:00 aufstanden, unsere Knochen sortierten und uns schließlich zu einem ausgiebigen Frühstück in den Gastraum begaben. Auch wenn wir nicht fahren konnten - es war GEIL! Den Gastraum fast für uns, Ruhe, Frieden, OHNE Stress einfach mal dasitzen und schwafeln.
So gegen 10:30 hörte es dann auf zu Regnen. Zwar schien nicht die Sonne, aber wir entschieden uns die Regenklamotten in den Tankrucksack zu stecken und einfach mal auf gut Glück zum Gardasee runter zu fahren.
Leider war auch bei der ersten Abfahrt nach Rovereto die Strecke weitestgehend noch nass, so daß wir mit etwas Bedacht - guter Asphalt hin oder her - die Talfahrt in Angriff namen.
Wie sich herausstellte war das eine gute Entscheidung! Denn je näher wir dem Lago kamen, um so besser wurde das Wetter!
Im Tunnel auf der Strecke noch mal richtig durchgeladen und abgefeuert - ICH LIEBE TUNNEL!!! Nur schade, daß der Sebring son zartes Stimmchen hat! Dennoch muß sich nach Klaus Angabe der ein oder andere Touri etwas verkrampft haben, als ich durch 5-stellige Drehzahlen deren Aufmerksamkeit im Rückspiegel erregt habe. Frei nach dem Motto: "Der tut nix, der will nur Spielen": Angasen, zurückfallen lassen um wieder aufzureißen. Da im Tunnel 90 gilt, konnte ich mich weit genug zusammenreißen nicht auch noch an denen, die mit 120 unterwegs waren, vorbeizukreischen.
Nach einer guten halben Stunde waren wir dann da und haben unsere Schnitten an der wunderschönen Ufer-Prommenade in Torbole abgestellt. Wer noch nicht da war wirds nicht glauben: Die erste Reihe neben dem Gehweg der Prommenade gehört in Italien den Mopedfahrern: Extra beschilderte, kostenlose und ordentlich markierte MOTORRADPARKPLÄTZE in wunderschönster Lage!!! (Da sollten sich mal ein paar andere Nationen ein Beispiel dran nehmen!)

Nachdem wir dann einmal durch die Gassen geschlendert sind, meldete sich mein Magen und machte spürbar darauf aufmerksam, daß auch er festgestellt hatte, daß ich in Urlaub bin. Da genau vor mir zwei unmittelbar konkurrierende Pizzerien auf dem Piazza in mein Blickfeld gerückt waren, formulierte ich eine vorsichtige an Klaus gerichtete Frage, ob er nicht auch Lust auf ein "Häppchen" hätte.
Er meinte er müsse nicht, aber er könnte schon.
Darauf hin sagte ich nur: Du musst!
Eine 4-seitige Pizzakarte - wenn man Hunger hat ist das schon fast Masochismus sich da durchzuquälen. Aber wir haben es geschafft und freuten uns auf das, was wir auf den Tellern der Blagen neben uns erspäht hatten. (Zu dem Zeitpunkt war uns nicht klar, daß diese Sitzkissen die KINDERPORTIONEN waren!!!)
Also freuten wir uns weiter! In der chronologisch korrekten Reihenfolge lief unsere Metamorphose etwa so ab:





Ja, ich hab doch glatt noch nen Teller gefunden! Klaus hat kurz nach dem Pic kapituliert! Satz und Sieg für Tobi!!!
Noch Fragen? Wir hatten da auch keine mehr!
Dennoch haben wir uns während unserer Mästung prächig unterhalten. Reifen, Fahrwerk, Bremsen, ach was weiß ich... Die Sonne verscheuchte vorrübergehend jede Wolke und die Stimmung wuchs proportional der Bestrahlung von oben.
Ende vom Lied war dann, daß wir mal die Mopeds tauschen wollen.
Da Klaus ja doch die ein oder andere "Modifizierung" an seinem Gerät vorgenommen hatte, war ich einfach neugierig, da ich von "Setup, Federvorspannung, Zug- und Druckstufe zwar schon viel gehört, ich aber bisher keine Ahnung hatte, welche wahrnehmbaren Auswirkungen sich hinter diesen Begriffen verbergen.
Um das zu testen und um das inzwischen herrliche Wetter nicht umsonst verstreichen zu lassen, schlug ich vor eine in unmittelbarer Umgebung liegende Strecke, die ich noch aus dem Jahr 2006 in allerbester Erinnerung hatte, in Angriff zu nehmen: Monte Baldo.
Nach dem ich es dann irgendwie geschafft hatte, an meinem Kombi die erforderlichen Reisverschlüsse zuzubekommen, rollten wir los Richtung Monte Baldo.
Klitzekleiner Wermutstropfen: Es gibt 2 Auffahrten. Die die uns am nächsten lag (Mori) war die weniger nette. Aber man will ja nicht anspruchsvoll wirken, wir sind ja schließlich noch länger da!
Also starteten wir durch.
Die Unterschiede unserer an sich so ähnlichen Mopeds nahm ich sofort war - Klaus auch, daher wuchs der Abstand unter uns mit jeder Kurve!
Auch wenn ich sofort feststellte, daß Klaus Ruckdämpfer ebenso ablegereif ist, wie meiner und seine Reifen in den letzten Zügen lagen, war es für mich wie ein Erwachen!
Die Ruhe im Fahrwerk, das förmliche Ansaugen der 7-er-Gabel an den Asphalt, das exakte, herrlich dosierbare Ansprechen seiner 6-Kolben-Beißer... eine Wucht!
Auf halber Strecke nach oben dann eine kurzer Erfahrungsaustausch.
Klaus meinte, daß mein Moped trotz der bei weitem nicht so straffen Fahrwerksabstimmung gut beherrschbar sei und er es genossen hat mal ein paar Kurven mit meinen intakten und herrlich unkomplizierten BT020-ern zu ziehen. Dabei wurde auch festgestellt, daß es keine schlechte Idee war einen Satz Bremsbeläge mitzunehmen ...!
BTW: Als ich Klaus auf meinem Moped im Rückspiegel sah, fiel mir sehr intensiv auf, wie bildschön doch meine ZXR ist!
Nächster Schritt: Schraubendreher raus und mein Fahrwerk seinem - soweit technisch möglich - angeglichen. => ERLÖSUNG!!!
Vertraute Umgebung, perfekter Sitz und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich verstanden wovon die Rede war, das hochgelobte, nicht aus der Ruhe zu bringende ZXR-Fahrwerk zu genießen. Was habe ich die letzten 2 Jahre alles versäumt ...
Die letzten km zum Gipfelhaus hab ich in jeder Kuve vor Freude in meinen Helm gegrinst. Nur wo war Klaus?
Ja wo isser denn???
Als er mich dann oben eingeholt hatte sagte ich garnichts - ich lauschte nur.
Wer noch nie am Monte-Baldo-Haus war und nicht weiß was ihn erwartet MUSS seiner Verblüffung Luft machen: Man befindet sich auf 1630m Höhe auf einer Felswand und über 1000m unter einem ist er: Der Gardasee in voller Pracht der Schönheit dieses Fleckchens Erde. ATEMBERAUBEND - auch für Freaks, die sich für nichts anderes als die nächste Kurve interessieren! Auch Klaus hat sein Kinn erstmal auf die Knie fallen lassen!





Nachdem wir da oben unseren Capuccino durch und durch genossen haben, machten wir uns langsam wieder auf den Heimweg. Die Wolken wurden immer dunkler und wir zogen es vor die Regenkombis dort zu lassen, wo sie waren - eingepackt.
Auf der Abfahrt nahmen wir dieses Mal den "netteren" Weg über Avio nach Rovereto - soooo geil die engen Kehren mit dem "neuen Fahrwerk".
Dabei habe ich Klaus diesmal den Vortritt gelassen, denn ich beobachtete, daß er in den Kehren richtig arbeiten musste und ihm nach der X-ten Kehre das Blut aus den Händen gewichen war. Darauf machte ich ihn auf eine Sache aufmerksam, die ich von meinem Twin-Fahrstil auch auf die ZXR übernommen hatte: Da unsere Ladies mit den Stummeln nicht für Haarnadeln gedacht sind, habe ich mich an meine Twin erinnert und wie spielerisch das damals doch war.
Auf die ZXR übertragen bedeutet dies: Lenkkopfentlasten durch Zug im Rücken (den Oberkörper nur mit dem Rücken halten und mit den Händen den Lenker führen - sonst nichts!).
Als das bei mir so schön klappte konnte ich es nicht lassen Ihm mal in einer der zahllosen Kehren in den Rückspiegel zu winken, 2 Finger der anderen Hand am Lenker. Na das Gesicht hättet Ihr sehen sollen!
Nachdem wir nochmal gehalten hatten, habe ich ihm das erklärt. Und schon lief es auch für ihn bedeutend entspannter in den engen Stellen!
Im Tal wedelten wir dann zwischen den Weingärten und -bergen hindurch Richtung Rovereto. Allerdings erfuhr ich schmerzhaft, daß man bei Bodenwellen und Schlaglöchern mit einem härteren Fahrwerk etwas bedächtiger umgehen sollte. Auf einer kurzen Geraden hab ich mal schön am Kabel gezogen. Klaus war genau hinter mir und sah das Unheil schon kommen...
Mein altes Schlabber-Setup hätte den abgesenkten Gullideckel einfach ignoriert, mein jetziges aber ganz und garnicht! Kann gut sein daß ich jetzt den Rest meines Lebens mit der Gießereiprägung irgendeiner italienischen Gullideckelfabrik in den Hoden rumfahre und ich es nie erfahren werde. Ich hab so ein Ding verpasst bekommen, daß es ein Wunder ist nicht vom Bock gefallen zu sein!
Pünktlich in Rovereto, am Fuße der berühmtberüchtigten 12-Minuten-Hammerstrecke rauf nach Foxi, begann es schließlich zu tröpfeln! Die Straße war jedoch schon mistnass! Wieder kein ernstzunehmender Rekordversuch möglich...
Kurz vor dem Abendessen (nach dem obligatorischen Heimkehr-Bierchen) sind wir dann nochmal raus und haben meine Beläge gewechselt.
NATÜRLICH haben wir auch die Sättel piniebelst gereinigt - MIT MEINER ZAHNBÜRSTE!!! (Klaus war nicht davon abzubekommen!)
Und während wir so fröhlich am Schrauben waren, kamen natürlich auch ein paar der anderen Gäste vorbei. Von verständnislosem Kopfgeschüttel bis schadenfrohem Grinsen war alles dabei. Am meisten grinsten jedoch wir über diese arroganten, weichgespülten Werkstattschieber.
Pünktlich zum Beginn des nächsten Wolkenbruchs waren wir fertig.
Kurz zuvor lief noch ein Hamburger-Pärchen (Jürgen und Olivia) auf einer Triumph Sprint ST ein. Obwohl bepackt wie auf einer Weltreise, waren uns die beiden sofort sympathisch. Interessiert (und noch eigentlich gar nicht wirklich angekommen) wurde sofort Benzin gelabert, bis uns der Regen dann doch ins Warme getrieben hat.
Schnell geduscht, die rabenschwarze, bremsstaubgeschwängerte Zahnbürste im Mülleimer versenkt (was mag sich wohl die Putze am nächsten Tag gedacht haben ...
) und ab zum Abendessen.
Nach einem nobelpreisverdächtigem 3-Gänge-Menü (Carpaccio mit Aceto-Knoblauch-Sößchen zum sattessen als Hauptgang!!!) saßen wir auch schon beieinander, planten spontan einen gemeinsamen Ausritt am morgigen Tag, während draußen der Probelauf der Appocalypse den 3. Akt erreichte und sich die Weichgespülten am Nachbartisch noch immer das Maul über meine platten Bremsbeläge zerrissen.
Nach ungezählten Bieren, 2 Flaschen Wein und einer Finalrunde Grappa, krochen wir glücklich und zufrieden in die Federn und hofften inständig, daß sich das Wetter bis morgen bessern würde. Leider umsonst ...
Tages-Fazit: Dem Admin auf seinem Moped davongefahren!
Nachdem die Spritpumpentransplantation erfolgreich durchgeführt werden konnte und so unserem Ritt gen Süden nichts mehr im Wege gestanden ist, habe ich auch das Ende des für uns so bedauerlich kurzen Ö-Treffens genießen und erholsamen Schlaf finden können.
Nach dem Aufstehen - geweckt von Connis schon leicht gestresst klingender Engelsstimme - wurde dann gepackt und ich konnte es kaum erwarten loszureiten - bis ich das erste Mal auf meinen bepackten Bock steigen wollte.
Die erste Erfahrung des Tages: Eine ZXR ist keine Tourenschaukel und ein zweistöckiger Tankrucksack sieht nicht nur aus wie der "Turmbau zu Babel", sondern unterbindet jeden Versuch vernünftig auf diesem Moped zu sitzen, geschweige denn ohne Liegestütze über der Kanzel noch auf den Tacho sehen zu können.


Plan B: Einen Teil als Rucksack benutzen (Aldi hatte da damals mitgedacht und schon Gurte angebracht) und schon hat man freie Sicht und halbwegs angenehme Bewegungsfreiheit. Also kann auch eine ZXR zum Tourer werden - jedenfalls was die Tragfähigkeit und Ladekapazität angeht.

Nach dem Verabschieden bei unseren Frauen und Freunden ritten wir bestens gelaunt gen Süden. Sehr angenehmes Reisetempo, Mühle rennt, Asphalt bebt, Alles easy!
Hinter dem Felbertauerntummel dann der erste Tankstop. Klaus hat mich angeblich angehupt, da er schon auf Reserve war, aber mein Weg hat mich instinktiv zur letzten Tränke vor dem Sprungpunkt nach Italien geführt: Mein persönlicher Horror, dem Staller Sattel.
Natürlich haben wir es zeitlich nicht so perfekt hinbekommen beim Startschuß in der ersten Reihe zu stehen. Aber wir haben schon als die Strecke noch eine halbe Stunde gesperrt war unmisverständlich und kompromislos klargestellt, wer uns nicht im Weg rumschaukeln wird: (Da hätten wir auch auf den Bus warten können!) ABER IHR NICHT!!!



Nach dem wir die verbleibende halbe Stunde bis zum Massenstart mit einer Bockwurst bei herrlichstem Wetter und grandioser Aussicht totgeschlagen hatten, wurde es auch langsam Zeit - auch für unsere Blasen!
Ne Toilette wäre nicht schlecht gewesen - aber der einzige Topf dort oben wurde von einer hyänenhaften Horde holländischer Rentner umkämpft, wie das letzte Stück Kuchen vor dem Deep Impact. Also haben wir dann doch noch eben schnell eine Klettertour hinter die nächsten Scheunen unternommen. Dann gings los!
Auf dem Weg nach unten (mit ner Tüte Gänsehaut unterm Helm) habe ich dann unterwegs Klaus noch eben die Stelle meines Verderbens gezeigt. (Übrigens inzwischen PERFEKT geteert!!!)
Völlig problemlos ging es dann weiter Richtung Grödner- und Sella-Joch.
Kurz vor dem Anstieg hat uns dann aber doch noch eben ein Gewitterwölkchen an den Straßenrand getrieben - direkt gegenüber einer recht sympathisch wirkenden Pizzeria. Nachdem sehr schnell entschieden war was man 13:00 in Südtirol bei drohendem Regen am Besten macht, haben wir uns einstimmig gegen Ganzkörperkondom und für eine "kleine Stärkung" entschieden.

Die Sonne schien wieder und keinem von uns ist die halbe Pizza lang aufgefallen, daß jeder gerade damit beschäftigt war die Pizza des anderen zu vernichten. Als wir diese Tatsache korrekt ermittelt hatten, haben wir einfach die Teller getauscht und - wie es sich gehört - brüderlich geteilt, wie danach dann auch die Rechnung.
Und dann kams: keine 5 Kurven sind wir weitergekommen, als wir feststellen mussten, daß besagte Regenwolke hinterhältig hinter einem Tunnel auf uns gewartet hatte ...
Nach 5 weiteren Kurven wars auch schon wieder vorbei und das Bisschen Feuchte in unseren Klamotten war schnell vergessen, als wir die ersten Kurven gen Grödner-Joch als Nachtisch serviert bekamen. Bereits da war klar, daß unsere Reifen etwas Arbeit vor sich hatten.
Auf dem Sella-Joch war uns jedoch klar, daß auch unsere Regensachen noch Arbeit bekommen würden!
Also dann eben doch in den Fetisch-Fummel!
Und was soll ich Euch sagen: Abermals KEINEN TROPFEN bis ins Tal, ans Ende eines MÖRDERSTAUS in Canizei - IN PRALLER SONNE!!!
Wir sind noch keine 100m weitergekrochen und ich habe schon gedacht meine Eier wären hart! Spaßiger Weise hatte ich zuvor auch noch meine polarexpeditionstauglichen Winter- und Regenhandschuhe angezogen! Was ich nicht wusste war, daß bei schweißnassen Händen das Innenfutter beim Ausziehen an den Händen pappenbleibt und mit rausgezogen wird!
Als wir dann endlich durch dieses Schweinekaff mit den 3 ausgefallenen Ampeln durch waren, wollte ich nur noch eins: Raus aus diesem Backschlauch!
Also zogen wir an der nächsten Tanke raus und zogen den Plastikfummel aus und die richtigen Handschuhe wieder an. Aber getankt haben wir nicht, denn in 50 km Restreichweite finden wir sicher noch eine Zapfsäule! (Böser Fehler!!!)
Ich wusste es genau! Am Fuße des Manghenpasses ist eine Tankstelle!
Da ist sie auch heute noch! Nur war diese Sonntagnachmittags geschlossen!
Nachdem wir 30 weitere Kilometer auf der Suche nach Sprit vollkommen sinn- und planlos durch die Vegetation geirrt sind, war uns klar, daß wir nicht auch noch unsere Reserve verplempern sollten!
Also sind wir wieder hoch in die dünne Luft gestartet.
Ich wußte ja vom letzten Jahr was einen am Manghenpass erwartet, aber Klaus hatte am Gipfelhaus das ganz breite Grinsen aber auch ausgeprägte Transpiration im Gesicht stehen.
Im Nachhinein: Ich habe es doch sehr bedauert ausgerechnet auf dieser Strecke gezwungener Weise "spritsparend" zu fahren. Aber wir haben ja noch eine Woche Zeit...
Auf dem Weg nach unten habe ich auch deshalb meinen Motor aus gelassen und bin die 15km einfach gerollt - bis zur lang ersehnten ersten Tanke im Tal, einem Tankautomaten, der aber auch wirklich nur italienisch schreiben konnte was er von einem wollte. 10€-Scheine nahm er dann auch. 5€-Scheine schmeckten ihm nur die frisch gedruckten!
Na dann muß reichen was unseren Tanks zugestanden worden ist.
Wie auch anno 2006 gings von da an völlig problemlos weiter - bis auf die mir sehr vertraute Suche nach dem Zugang zu "Folgaria". Nachdem wir dann mit Händen und Füßen 3 Einheimischen vermittelt hatten wo wir hin wollten, war auch die letzte Hürde geschafft. Von Rovereto aus starteten wir zum ersten Zielsprint über die SS46 und wir liefen gegen 20:00 erleichtert bei Paolo in "Foxi" ein.


Dann gabs auch gleich was Geiles zu essen und nach 4 Bieren pro Schlund und der Feststellung, daß Klaus seine gesamten Papiere Conni auf die Heimreise mitgegeben hatte (

Tagesfazit: Den Admin erfolgreich ins gelobte Kurvenland geführt!
Part II.
Tag 2. Monte Baldo-Day
Der erste wirkliche Urlaubstag begann, wie er nicht beginnen sollte:
1. um 4:00
2. mit einem Donnerschlag, der mich senkrecht im Bett stehn lies.
3. mit einem für meine Begriffe unangenehm lauten Rauschen.
Aus den süßesten Kurventräumen gerissen, kam mein im abgesicherten Modus startendes Betriebssystem erst auf die Idee, Klaus hätte die Dusche betreten - aber Gott sei Dank bevorzugt auch er im Urlaub erst nach dem Morgengrauen aufzustehen - aber ich erkannte dann doch ein Gewitter vom Allerfeinsten.
Als nächstes erinnerte ich mich daran, daß wir unsere Stiefel und bei der Anreise getragenen Funktions- und Lederklamotten z. T. auf links gekrämpelt im offen stehenden Fensterstock ausgebreitet hatten, um den zarten Verwesungsgeruch unserer obersten Hautschichten aus den Klamotten in die Freiheit zu entlassen.
Nachdem ich dann meinen von der Anreise durchgenudelten Körper in eine aufrechte Position bringen und unkoordiniert Richtung Fenster in Bewegung setzen konnte, knurrte Klaus unter der Bettdecke hervor, er habe schon alles in Sicherheit gebracht.
Also drückte ich auf meinen Resetbutton und fiel wieder zur Seite in mein Bett und sofortige Stasis. Dabei registrierten jedoch meine Ohren weiterhin, daß es die verbleibende Nacht kontinuierlich weitergoß, was der italienische Himmel für uns aufgespart hatte.
Das blieb auch leider so bis wir so gegen 9:00 aufstanden, unsere Knochen sortierten und uns schließlich zu einem ausgiebigen Frühstück in den Gastraum begaben. Auch wenn wir nicht fahren konnten - es war GEIL! Den Gastraum fast für uns, Ruhe, Frieden, OHNE Stress einfach mal dasitzen und schwafeln.
So gegen 10:30 hörte es dann auf zu Regnen. Zwar schien nicht die Sonne, aber wir entschieden uns die Regenklamotten in den Tankrucksack zu stecken und einfach mal auf gut Glück zum Gardasee runter zu fahren.
Leider war auch bei der ersten Abfahrt nach Rovereto die Strecke weitestgehend noch nass, so daß wir mit etwas Bedacht - guter Asphalt hin oder her - die Talfahrt in Angriff namen.
Wie sich herausstellte war das eine gute Entscheidung! Denn je näher wir dem Lago kamen, um so besser wurde das Wetter!
Im Tunnel auf der Strecke noch mal richtig durchgeladen und abgefeuert - ICH LIEBE TUNNEL!!! Nur schade, daß der Sebring son zartes Stimmchen hat! Dennoch muß sich nach Klaus Angabe der ein oder andere Touri etwas verkrampft haben, als ich durch 5-stellige Drehzahlen deren Aufmerksamkeit im Rückspiegel erregt habe. Frei nach dem Motto: "Der tut nix, der will nur Spielen": Angasen, zurückfallen lassen um wieder aufzureißen. Da im Tunnel 90 gilt, konnte ich mich weit genug zusammenreißen nicht auch noch an denen, die mit 120 unterwegs waren, vorbeizukreischen.
Nach einer guten halben Stunde waren wir dann da und haben unsere Schnitten an der wunderschönen Ufer-Prommenade in Torbole abgestellt. Wer noch nicht da war wirds nicht glauben: Die erste Reihe neben dem Gehweg der Prommenade gehört in Italien den Mopedfahrern: Extra beschilderte, kostenlose und ordentlich markierte MOTORRADPARKPLÄTZE in wunderschönster Lage!!! (Da sollten sich mal ein paar andere Nationen ein Beispiel dran nehmen!)

Nachdem wir dann einmal durch die Gassen geschlendert sind, meldete sich mein Magen und machte spürbar darauf aufmerksam, daß auch er festgestellt hatte, daß ich in Urlaub bin. Da genau vor mir zwei unmittelbar konkurrierende Pizzerien auf dem Piazza in mein Blickfeld gerückt waren, formulierte ich eine vorsichtige an Klaus gerichtete Frage, ob er nicht auch Lust auf ein "Häppchen" hätte.
Er meinte er müsse nicht, aber er könnte schon.
Darauf hin sagte ich nur: Du musst!
Eine 4-seitige Pizzakarte - wenn man Hunger hat ist das schon fast Masochismus sich da durchzuquälen. Aber wir haben es geschafft und freuten uns auf das, was wir auf den Tellern der Blagen neben uns erspäht hatten. (Zu dem Zeitpunkt war uns nicht klar, daß diese Sitzkissen die KINDERPORTIONEN waren!!!)
Also freuten wir uns weiter! In der chronologisch korrekten Reihenfolge lief unsere Metamorphose etwa so ab:





Ja, ich hab doch glatt noch nen Teller gefunden! Klaus hat kurz nach dem Pic kapituliert! Satz und Sieg für Tobi!!!
Noch Fragen? Wir hatten da auch keine mehr!
Dennoch haben wir uns während unserer Mästung prächig unterhalten. Reifen, Fahrwerk, Bremsen, ach was weiß ich... Die Sonne verscheuchte vorrübergehend jede Wolke und die Stimmung wuchs proportional der Bestrahlung von oben.
Ende vom Lied war dann, daß wir mal die Mopeds tauschen wollen.
Da Klaus ja doch die ein oder andere "Modifizierung" an seinem Gerät vorgenommen hatte, war ich einfach neugierig, da ich von "Setup, Federvorspannung, Zug- und Druckstufe zwar schon viel gehört, ich aber bisher keine Ahnung hatte, welche wahrnehmbaren Auswirkungen sich hinter diesen Begriffen verbergen.
Um das zu testen und um das inzwischen herrliche Wetter nicht umsonst verstreichen zu lassen, schlug ich vor eine in unmittelbarer Umgebung liegende Strecke, die ich noch aus dem Jahr 2006 in allerbester Erinnerung hatte, in Angriff zu nehmen: Monte Baldo.
Nach dem ich es dann irgendwie geschafft hatte, an meinem Kombi die erforderlichen Reisverschlüsse zuzubekommen, rollten wir los Richtung Monte Baldo.

Klitzekleiner Wermutstropfen: Es gibt 2 Auffahrten. Die die uns am nächsten lag (Mori) war die weniger nette. Aber man will ja nicht anspruchsvoll wirken, wir sind ja schließlich noch länger da!
Also starteten wir durch.
Die Unterschiede unserer an sich so ähnlichen Mopeds nahm ich sofort war - Klaus auch, daher wuchs der Abstand unter uns mit jeder Kurve!
Auch wenn ich sofort feststellte, daß Klaus Ruckdämpfer ebenso ablegereif ist, wie meiner und seine Reifen in den letzten Zügen lagen, war es für mich wie ein Erwachen!
Die Ruhe im Fahrwerk, das förmliche Ansaugen der 7-er-Gabel an den Asphalt, das exakte, herrlich dosierbare Ansprechen seiner 6-Kolben-Beißer... eine Wucht!
Auf halber Strecke nach oben dann eine kurzer Erfahrungsaustausch.
Klaus meinte, daß mein Moped trotz der bei weitem nicht so straffen Fahrwerksabstimmung gut beherrschbar sei und er es genossen hat mal ein paar Kurven mit meinen intakten und herrlich unkomplizierten BT020-ern zu ziehen. Dabei wurde auch festgestellt, daß es keine schlechte Idee war einen Satz Bremsbeläge mitzunehmen ...!
BTW: Als ich Klaus auf meinem Moped im Rückspiegel sah, fiel mir sehr intensiv auf, wie bildschön doch meine ZXR ist!
Nächster Schritt: Schraubendreher raus und mein Fahrwerk seinem - soweit technisch möglich - angeglichen. => ERLÖSUNG!!!
Vertraute Umgebung, perfekter Sitz und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich verstanden wovon die Rede war, das hochgelobte, nicht aus der Ruhe zu bringende ZXR-Fahrwerk zu genießen. Was habe ich die letzten 2 Jahre alles versäumt ...
Die letzten km zum Gipfelhaus hab ich in jeder Kuve vor Freude in meinen Helm gegrinst. Nur wo war Klaus?

Als er mich dann oben eingeholt hatte sagte ich garnichts - ich lauschte nur.
Wer noch nie am Monte-Baldo-Haus war und nicht weiß was ihn erwartet MUSS seiner Verblüffung Luft machen: Man befindet sich auf 1630m Höhe auf einer Felswand und über 1000m unter einem ist er: Der Gardasee in voller Pracht der Schönheit dieses Fleckchens Erde. ATEMBERAUBEND - auch für Freaks, die sich für nichts anderes als die nächste Kurve interessieren! Auch Klaus hat sein Kinn erstmal auf die Knie fallen lassen!






Nachdem wir da oben unseren Capuccino durch und durch genossen haben, machten wir uns langsam wieder auf den Heimweg. Die Wolken wurden immer dunkler und wir zogen es vor die Regenkombis dort zu lassen, wo sie waren - eingepackt.
Auf der Abfahrt nahmen wir dieses Mal den "netteren" Weg über Avio nach Rovereto - soooo geil die engen Kehren mit dem "neuen Fahrwerk".
Dabei habe ich Klaus diesmal den Vortritt gelassen, denn ich beobachtete, daß er in den Kehren richtig arbeiten musste und ihm nach der X-ten Kehre das Blut aus den Händen gewichen war. Darauf machte ich ihn auf eine Sache aufmerksam, die ich von meinem Twin-Fahrstil auch auf die ZXR übernommen hatte: Da unsere Ladies mit den Stummeln nicht für Haarnadeln gedacht sind, habe ich mich an meine Twin erinnert und wie spielerisch das damals doch war.
Auf die ZXR übertragen bedeutet dies: Lenkkopfentlasten durch Zug im Rücken (den Oberkörper nur mit dem Rücken halten und mit den Händen den Lenker führen - sonst nichts!).
Als das bei mir so schön klappte konnte ich es nicht lassen Ihm mal in einer der zahllosen Kehren in den Rückspiegel zu winken, 2 Finger der anderen Hand am Lenker. Na das Gesicht hättet Ihr sehen sollen!
Nachdem wir nochmal gehalten hatten, habe ich ihm das erklärt. Und schon lief es auch für ihn bedeutend entspannter in den engen Stellen!
Im Tal wedelten wir dann zwischen den Weingärten und -bergen hindurch Richtung Rovereto. Allerdings erfuhr ich schmerzhaft, daß man bei Bodenwellen und Schlaglöchern mit einem härteren Fahrwerk etwas bedächtiger umgehen sollte. Auf einer kurzen Geraden hab ich mal schön am Kabel gezogen. Klaus war genau hinter mir und sah das Unheil schon kommen...
Mein altes Schlabber-Setup hätte den abgesenkten Gullideckel einfach ignoriert, mein jetziges aber ganz und garnicht! Kann gut sein daß ich jetzt den Rest meines Lebens mit der Gießereiprägung irgendeiner italienischen Gullideckelfabrik in den Hoden rumfahre und ich es nie erfahren werde. Ich hab so ein Ding verpasst bekommen, daß es ein Wunder ist nicht vom Bock gefallen zu sein!
Pünktlich in Rovereto, am Fuße der berühmtberüchtigten 12-Minuten-Hammerstrecke rauf nach Foxi, begann es schließlich zu tröpfeln! Die Straße war jedoch schon mistnass! Wieder kein ernstzunehmender Rekordversuch möglich...

Kurz vor dem Abendessen (nach dem obligatorischen Heimkehr-Bierchen) sind wir dann nochmal raus und haben meine Beläge gewechselt.
NATÜRLICH haben wir auch die Sättel piniebelst gereinigt - MIT MEINER ZAHNBÜRSTE!!! (Klaus war nicht davon abzubekommen!)
Und während wir so fröhlich am Schrauben waren, kamen natürlich auch ein paar der anderen Gäste vorbei. Von verständnislosem Kopfgeschüttel bis schadenfrohem Grinsen war alles dabei. Am meisten grinsten jedoch wir über diese arroganten, weichgespülten Werkstattschieber.
Pünktlich zum Beginn des nächsten Wolkenbruchs waren wir fertig.
Kurz zuvor lief noch ein Hamburger-Pärchen (Jürgen und Olivia) auf einer Triumph Sprint ST ein. Obwohl bepackt wie auf einer Weltreise, waren uns die beiden sofort sympathisch. Interessiert (und noch eigentlich gar nicht wirklich angekommen) wurde sofort Benzin gelabert, bis uns der Regen dann doch ins Warme getrieben hat.
Schnell geduscht, die rabenschwarze, bremsstaubgeschwängerte Zahnbürste im Mülleimer versenkt (was mag sich wohl die Putze am nächsten Tag gedacht haben ...

Nach einem nobelpreisverdächtigem 3-Gänge-Menü (Carpaccio mit Aceto-Knoblauch-Sößchen zum sattessen als Hauptgang!!!) saßen wir auch schon beieinander, planten spontan einen gemeinsamen Ausritt am morgigen Tag, während draußen der Probelauf der Appocalypse den 3. Akt erreichte und sich die Weichgespülten am Nachbartisch noch immer das Maul über meine platten Bremsbeläge zerrissen.
Nach ungezählten Bieren, 2 Flaschen Wein und einer Finalrunde Grappa, krochen wir glücklich und zufrieden in die Federn und hofften inständig, daß sich das Wetter bis morgen bessern würde. Leider umsonst ...
Tages-Fazit: Dem Admin auf seinem Moped davongefahren!
