Part V
Tag 5. Die Ruhe vor dem Gipfelsturm
Die Nacht verbrachte ich auf den äußersten 15cm der linken Bettkante. Klaus lag rechts neben mir und hatte das Doppelbett für sich alleine.
Selbstverständlich unterstelle ich unserem Admin keinesfalls falsch verdrahtet zu sein, aber ein klein bissi traumatisch kanns einem schon ergehen, nach der Bekanntschaft mit "Blondy aus Holland"!
Wir erwachten bei - oh Wunder - wieder schönem Wetter.
Beim Frühstück erwähnte ich, daß meine Nachbarn und guten Freunde seit gestern auch irgendwo im näheren Umfeld des Gardasees eine Woche Urlaub hätten. Da Klaus und ich eh nochmal shoppen wollten, um die erwarteten Mitbringsel für Freundin bzw. Familie zu besorgen und dies ja eh der der letzte Tag vor der Heimreise war, entschieden wir uns es heute etwas ruhiger angehen zu lassen und unsere Kräfte für die morgige Heimfahrt aufzusparen.
Was ich beim 3. Tagesbericht vergessen hatte zu erwähnen:
Wir fanden auf Paolos Wühltisch eine italienische Motorradzeitung. Die konnten wir zwar nicht lesen, aber Fotos waren ja auch drin.
Und da war dann alles klar: Passo die Stelvio - das Stilfser-Joch muß auf dem Heimweg irgendwie mit eingebaut werden!
Daß knappe 2800m nicht gerade ne Delle in der Landschaft ist, is klar. Aber es sollte sich später herausstellen, daß dies ein sehr weiser Entschluss sein sollte.
Also war Torbole am Gardasee abermals unser Ziel. Wir wissen ja jetzt, daß es dort geile Pizzen und schöne Boutiquen gibt um die Daheimgebliebenen (fürs nächste Jahr) milde zu stimmen.
So fragten wir beim Frühstück unsere ans Herz gewachsenen Nordlichter, ob sie uns begleiten oder eigene Wege gehen wollten.
Da die beiden ja noch eine mehrwöchige Tour über die Schweiz geplant hatten, entschieden sie sich uns zu begleiten.
Der direkte Weg erfüllte selbstverständlich nicht unseren inzwischen beträchtlichen Streckenanspruch. Also zog es uns nördlich von Rovereto in die Berge. Diese Strecken kannte nämlich noch keiner von uns und die Karte versprach eine neue Runde Kurvenspaß.
Und wir wurden nicht enttäuscht!
Durch zum Bersten vollhängende Weinberge schraubten wir uns nach oben auf ein Hoch-Plateau. Die dortige Besonderheit: Enge aber gut ausgebaute steil-kurvige Straßen und Gemüse-Felder. Da oben wächst wirklich alles! Und wenn man doch mal den Blick zur von der Straße wendet ist es schon ungewöhnlich Kohl, Karotten und was weiß ich noch alles auf fußballfeld-großen Ackern in voller Pracht sprießen und gedeihen zu sehen.
Der Weg von dort runter nach Arco hatte es was Gefälle angeht wieder kräftig in sich. Ok, wir hatten in den vergangenen Tagen schon "Schlimmeres" erlebt, dennoch werde ich auch diese Kurven gerne nochmal in Angriff nehmen.
Kurz nach Mittag liefen wir dann (hungrig) in Torbole ein.
Nachdem wir uns wieder die schönsten Parkplätze am Ufer ausgesucht hatten, schlenderten wir diesmal in die andere Richtung, vorbei an von Afrikanern bewachten Tischläden, die dort ihre Stammeskunst (Schnitzereien, Leder-Fummel, etc.) feilboten (und ich dachte ich wäre in Italien!), am Seeufer entlang, um uns ein nettes Ristorante zu suchen und dann die Souvenirs einzukaufen. Relativ schnell stellten wir fest, daß Torbole recht überschaubar ist. Also ließen wir uns in einem ummauerten Garten mit Limonenbäumen nieder und lasen uns durch die 60 zur Auswahl stehenden Pizza-Variationen.
Mal wieder zum Platzen vollgefressen visierten wir gegen 13:30 die Shopping-Meile an, mit dem äußerst ernüchternden Ergebnis, daß genau um diese Zeit die italienische Mittagspause begonnen hatte (... und bis 15:30 andauern sollte!).
Wir hatten uns gerade für Plan B entschieden - Jetzt EISESSEN, denn das sollte man als Italien-Touri ja auch mal gemacht haben und später nochmal runterfahren - als wir bemerkten, daß aus Richtung Süden Petrus wieder mit vollen Eimern auf uns zu hielt.
Da diesmal wirklich niemand mit Regen gerechnet und nur leichte Klamotten anhatte, hielten wir es für sinnvoll uns dann eben doch verfrüht auf den Heimweg zu machen - und so wie das was da auf uns zukam aussah auf den direktesten Weg!
Der Himmel zog sich dennoch erfreulich langsam zu, so daß wir nach einem Knetomatenstop (morgen muss ja Paolo bezahlt werden!) bei Trockenheit die SS46 in Angriff hätten nehmen können.
Ich weiß bis heute beim besten Willen nicht wieso, aber ich hab die rechte Hand, nachdem ich kurz hinter der Stadtmauer schonmal kräftig vorgeglüht hatte, unbewusst wieder ganz ruhig gehalten, bis wir wirklich das Ortsendschild von Rovereto erreicht hatten - und das war gut so! DA STANDEN SIE!!! Die Carabinieri!!! Mit Strahlenwaffen auf mich angelegt und die Kollegen mit der MP in der Hand!
Aber ich bin ganz friedlich und selbstverständlich freundlich grüßend mit 49,913km/h an den Jungs vorbei gerollt, um hinter dem Ortsschild dann wirklich in den kurzen Tunnel reinzuhämmern und auf die Ideallinie zu spechten, daß den Jungs die Tränen kommen sollten.
Klaus, ein kurzes Stück hinter mir, meinte auch, daß die Rot-Blauen wohl irgendwie aussahen, als hätten sie was anderes vorgehabt, als uns vorbeirollen lassen zu müssen.

Tja, so is das Leben! Hätten die Klaus mit seinen Reifen erwischt ... Na besser nicht dran denken!
Dies war die erste wirkliche Chance mit echtem Biss dieses göttliche Stück Asphalt in Angriff zu nehmen! Aber Klaus und ich hatten ausgemacht uns eine Besonderheit dieses Tals mal in Ruhe - und nicht aus der Ferne und nur für Sekundenbruchteile - anzusehen:
Ich habs ja auch nicht so mit der Kirche, aber dieses Bauwerk ist schon wirklich beeindruckend! Aber ists ein Wunder, so wie die schon Straßen bauen?
Bei den ersten dicken Tropfen machten wir uns auf die letzten Meter zu Paolo. Wir waren gerade angekommen, da öffnete der Himmel seine Schleusen und ein Gewitter entlud sich wieder über unseren Köpfen.

Wir nutzten die Zeit, um die morgige Tour zu planen (und beteten im Stillen, daß die Heimreise trocken verlaufen würde!)
Etwa eine Stunde vor dem Abendschmaus kam die Sonne wieder raus. Ich war noch am Überlegen, ob ich nicht jetzt sofort nochmal nach Torbole runter brenne, aber dann wäre ich dem Gewitter gefolgt. Dann vielleicht doch morgen ne Stunde früher raus ...

Jürgen hatte allerdings noch Lust auf ne kleine Runde den Paß Richtung Vincenza zu hacken. Na das lasse ich mir nicht 2 mal sagen!
Und wieder war die Straße wirklich nur auf den kurzen sonnigen Abschnitten trocken und gut befahrbar. 70% der Strecke waren - wie schon die ganze Woche - NASS!!!

Aber vielleicht war es auch ganz gut so.
Ich war das erste Mal mit Jürgen alleine und ohne Olivia unterwegs. Ich gebs zu, an der ein oder anderen Stelle hab ichs mal versucht. Aber nur um festzustellen, daß nasse Pisten kein Terrain zum Spielen sind und man einfach akzeptieren muß, daß unsere Ladies gegen Bomber dieser Güte nicht mal ansatzweise anstinken können!
Dort wo ich schon Gänsehaut im Nacken hatte, saß Jürgen auf seinem Dreitopf wie Hanniball auf seinem Elefanten. WELTEN!!! Trotzdem wars lustig!
Pünktlich zum Abendessen waren wir wieder zu Hause. Unmittelbar danach wurde gepackt und dann mit spürbarer Wehmut die letzte Flasche Rotwein geköpft und die Heimreiseunlust vorübergehend ertränkt.
Mein Gott, wo ist die Zeit geblieben... ??? Ich hatte das Gefühl gerade erst angekommen zu sein!
Part VI
Tag 6. Das fulominante Finale - Die Heimreise
Die Sonne hatte es noch nicht über die Bergspitzen geschafft, als uns mein Handy aus dem Land der Kurventräume zurück in die Realtität beorderte. Es kam soetwas wie Wehmut in mir auf, als ich mir bewusst wurde, daß dieser Morgen vorerst der letzte sorgenfreie Start eines Tages sein sollte.
Und was das für ein Morgen war ...
Auch wenn Foxi noch im Schatten der Morgensonne lag, war sofort klar, daß uns Petrus wenigstens auf der Heimreise für unsere Hartnäckigkeit mit Götterwetter belohnen wollte.
Nicht eine Wolke, nicht eine Nebelschwade, schon in der Früh kein feuchter Fleck auf den Straßen - NICHTS!!! Es war der perfekte Tag - ABER DOCH NICHT FÜR DIE HEIMREISE!!!
Ich war hin und her gerissen, ob ich nun nen Hals schieben sollte, daß ausgerechnet heute wirklich perfektes Kurvenwetter sein sollte, oder ob dies die denkbar beste Einladung war, um wiederzukommen.
Ich entschied mich für letzteres, als Klaus und ich begannen die letzten Brocken einzupacken und uns auf den Weg zum letzten Frühstück dieses Urlaubs zu machen.
Wir waren eine Stunde früher dran als sonst, da wir ja gestern Pech hatten und noch immer keine Souveniers für unser Empfangscommité zu Hause besorgen konnten. Also haben wir deshalb kurzerhand unsere Route entsprechend angepasst.
Fluchend und enttäuscht nahmen wir unser Frühstück ein. Weder Klaus noch ich hatte auch nur ansatzweise das Bedürfnis heute nach Hause zu fahren. Aber sowas von überhaupt garnicht!!!
Jürgen und Olivia gesellten sich zu uns und auch den beiden war anzumerken, daß sie bei dem Spaß, den wir gemeinsam in den letzten Tagen gehabt haben, nichts dagegen gehabt hätten, noch ein paar gemeinsame Touren zu fahren. Immerhin entschieden sich die beiden uns ein kurzes Stück auf unserem Heimweg zu begleiten.
Nach dem Frühstück räumten wir unser Zimmer und nahmen die letzten unangenehmen Hürden vor dem Aufbruch.
Die erste Hürde - das Bezahlen bei Paulo - lief erfreulich harmlos ab. 36€/Nacht Halbpension bei der Qualität ... Da wären noch für 2 Nächte Platz im Geldbeutel gewesen!

Aber der Abschied...
Nach dem Verzurren unseres Gepäcks standen wir mit Paolo vor seiner Haustüre ... Er lud uns ein wiederzukommen, wann immer wir wollen und die ersten Horden glücklicher Biker prügelten an uns vorbei - BERGAUF natürlich! Nicht wie wir gleich, bergab, gen Heimat.
Natürlich kommen wir wieder! GANZ BESTIMMT SOGAR!!! Ciao, bella Foxi!!!
Und dann ritten wir gegen 9:00 los. 1. Ziel: Torbole zum 3.
Auf dem Weg nach unten verhädderten wir uns in einem Schwarm Rollern, die ums Verrecken nicht ihren Formationsflug mit 50km/h auflösen wollten und auch nicht daran dachten vielleicht etwas den Abstand zu erhöhen, um uns nicht zu zwingen an 15 renterbesetzten Leukoplast-Bombern aufeinmal vorbeibrettern zu müssen. Aber was soll man erwarten, wenn ein Haufen Opis in Jeans-Jacken, Turnschuhen und Brain-Caps ihre letzten Easy-Rider-Gefühle erlebten?
Ihr denkt jetzt vielleicht, was daran problematisch sein soll, die Typen einfach zu passieren. Aber bepackt bis oben und bei dieser Strecke...
Dennoch ist (zumindest mir) genau das passiert: In einer langen und schon vorher einsehbaren Linkskurve gab ich Stoff und konnte im Rückspiegel beobachten wie ich sie aus ihrer Formation wehte, wie einen Haufen Laub. Ob sie aus Schreck oder sonstigen Gefühlsausbrüchen die Containance verloren, war mir herzlich egal, Hauptsache vorbei und raus aus dem 2-Takt-Dunst.
Weiter gings auf direktem Weg nach Torbole.
Wir parkten, wo wir immer parkten, an der Seepromenade. Jürgen und Olivia platzierten sich genau gegenüber auf der Terasse eines Straßenkaffees, um unsere bepackten Böcke zu bewachen, und Klaus und ich schwärmten aus, um unsere Heimkehrer-Pflicht zu erfüllen.
Da ich ja schon letztes Jahr eine Boutique gefunden hatte, die ausschließlich Klamotten zu moderaten Preisen nach Krümels Geschmack anbot, wusste ich, daß ich unmöglich länger als 10 Minuten benötigen würde, um meinen finalen Cappuccino am Gardasee-Ufer zu genießen, bevor es wirklich losging. (Der liebe Gott möge an dem Tag mein Konto sperren und mich meinen Geldbeutel vergessen lassen, an dem ich mit Franzi diesen Laden betreten werde!)
Nach 11 Minuten, einer vollgestopften Plastiktüte und um ??€ erleichtert, war ich wieder am Treffpunkt. Klaus hatte es doch tatsächlich geschafft noch schneller zu sein.

Nachdem uns dann gesagt worden ist, daß die Bedienung dieses Kaffees noch im Wachkoma schlafwandelte, der von unserem Wachpersonal georderte Kaffee ewig gedauert hatte und wir noch weitere 10 Minuten für die Bezahlung benötigten, brachen wir unverrichteter Dinge gegen 10:10 Uhr, ohne obligatorischem Morgen-Cappu

, auf.
Nachdem ich meine Errungenschaften bei Klaus untergebracht hatte, mussten wir uns nun auch, NICHT OHNE EINE GEHÖRIGE PORTION NEID, bei Jürgen und Olivia verabschieden, die noch weitere 14 Tage im Kurvenparadies und in der Schweiz vor sich hatten.
Nochmal Danke an die beiden! War lustig mit Euch! Ich freue mich auf ein Wiedersehen!!!
Mit einer ordentlichen Portion Frust im Bauch machten wir uns auf den Weg über Arco Richtung Madonna di Campiglio.
Klaus merkte mir deutlich an, daß ich angesackt war jetzt heim zu müssen. Und die ganzen Touri- und Rentner-Kolonnen reizten mich zur Weißglut! Nur schnellstmöglich raus aus den Tälern und wieder hoch in die Berge! Aber wenigstens heute sah es nicht nach Regen oder Nebel aus, auch wenn meine augenblickliche Stimmung dazu gepasst hätte.
Irgendwo vor Tione die Trento hatte sich ein LKW in einer Serpentine festgefahren und uns einen Mörderstau in diesem Tal verschafft. Gott sei Dank haben wir uns dazu entschieden sofort zu wenden und einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und so dem Schlamassel auszuweichen, sonst wäre ich vermutlich einer Kernschmelze erlegen.
Dann lief es prima weiter - von einzelnen Schnarchnasen abgesehen.
1. Tankstop dann kurz vor Madonna di Campiglio.
Mein Gott! Da war die Hölle los! Je näher wir dem italienischen Winter-Mekka kamen, um so chaotischer wurde es!
An der Tankstelle gings zu wie auf einem Wühltisch beim Sommerschlußverkauf bei C&A. Wenn uns das Tankpersonal nicht Anweisung gegeben hätte, daß wir jetzt dran sind, hätte es Tote gegeben, denn wie die Hyänen stürtzte sich ganz Norditalien aus jeder Richtung auf diese Tanke, als gäbe es hier den letzten Sprit des Jahres.
Bloß schnell weg aus diesem Stress!
Ich hatte mich gerade beruhigt, als wir auf ein italienisches Moped-Duo aufliefen - eine CBR600F und eine Mille.
Ich dachte an rein Garnichts, als ich mich innerorts an die beiden anhängte.
Am Ortsausgang (auf einer Geraden) gaben die beiden Kit und starteten beachtlich zügig durch. Ich hatte überhauptkein Problem damit, nein, ich genoss es in tiefen Zügen, vom dumpfen Brüllen der Mille angeschrien zu werden.
Ach wie schön ist doch das Leben in Italien, wo einen die Mopeds noch ungefiltert ankreischen dürfen, daß einem das genussvolle Lächeln den Helm eng werden und das Biker-Herz erblühen lässt.
An der Honda blieb ich einfach dran. Bepackt oder nicht: DU SCHÜTTELST MICH NICHT AB! Ich bleibe aber gerne dahinter und werde versuchen mit meiner bepackten Lady an Dir dran zu bleiben. (GROSSER FEHLER!!!)
Wir düsten in sehr angenehm dynamischen Tempo auf eine Steigung zu und ich fragte mich wohl, was der Hondatreiber wohl gerade über mich und meine vollgestapelte alte Dame denken mochte, als wir uns der ersten Kurve mit 120 näherten. In dem Moment dachte ich mir noch: "Oh, das könnte bei dem Tempo der beiden Jungs lustig werden!", als vor mir die Lampe anging, die rote Lampe, DAS BREMSLICHT DER HONDA!!!
Während ich in die Eisen stieg hab ich mir noch gedacht, was diese Scheiße denn wohl soll??? Wie kann man denn 100m vor einer sanft ansteigenden Rechtskurve den Anker schmeißen, als hätte sich ein Abgrund aufgetan??? UND WAS ZUM GEIER IST DAS DENN FÜR EINE LINIE???
Auf vielleicht 50 runtergebremst fuhr der Typ beinahe auf dem rechten Seitenstreifen in die Kurve rein... Ich hatte schon Angst ich falle jetzt mitsamt meinem Bock um!
Ich sagte mir, daß der Typ irgendwie gepennt und sich wegen was auch immer erschreckt haben muß. Denn so fährt ja wohl kein Mensch - und schon garnicht ein Einheimischer!
Am Kurvenausgang wurde es wieder 5-stellig. Ah, er hat sich gefangen und ist aufgewacht. GUT!!! ABER, heute schlauer, dachte ich mir, halte ich mal etwas mehr Abstand.
Also zog ich gleich und war gespannt was uns wohl die erste ernstzunehmende Serpentine bringen wird.
JESUS!!! Was macht der Kerl denn da???
Genau das gleiche Spiel wie vorhin: Etwa 50m vor dem was ich Anbremspunkt nennen würde, zündet der Typ auf der äußersten Außenlinie, fast auf dem Mittelstreifen wieder die Bremsraketen, um dann knapp über Schrittgeschwindigkeit ganz kurveninnen durch die Kurve zu eiern, auf einer Linie, als gehöre dem Typen die Straße alleine und die ganzen Busse auf der Gegenspur wären nur reine Einbildung. Der Spak fuhr so ziemlich nur da, wo man es sich selbst unnötig schwer macht.
Und wieder hatte er mich so überraschend erwischt, daß auch ich dazu gezwungen war mein Schätzchen mächtig in die Hocke zu zwingen.
SO, JETZT REICHTS MIR!!!
Die nachfolgende Gerade war auch die Einflugschneise in die Gegenserpentine rechts steil bergauf. Also hatte ich vor dieser Rechtskurve genug Zeit mich zu fangen, mir den weiteren Streckenverlauf im kommenden Steilhang anzusehen und um auf MEINE Idealangriffsgeschwindigkeit zu beschleunigen. Wie bescheuert der Rooky (das musste er tatsächlich sein) Kurven anfährt wusste ich ja jetzt. Wenn sich das beobachtete Schauspiel zum dritten Mal wiederholt, bekommt er jetzt ein wenig Anschauungsunterricht verpasst.
Und so sollte es dann auch sein!
Ich wußte jetzt wo er beim Gewaltanbremsen stehen musste, bevor er im Zick-Zack nach innen doktern würde. Nur diesmal bremste ich nicht und lief sofort auf ihn auf! Wie auf Befehl zog er gerade noch rechtzeitig, bevor ich ihn angeschoben hätte, nach Innen und öffnete mir das kurvenäußere Fenster zur Ideallinie.
Ich hatte schon Angst daß er mit dem Ellenbogen an die Leitplanke stößt, als ich doch ziemlich ungebremst in meinem Point-Of-No-Return kurveneingangs, auf der tatsächlichen Ideallinie, neben ihm einschlug und mich kurz darauf in die Kurve warf.
Mir wurde schlagartig klar, daß ich gerade einen Kurvenspeed hatte, daß selbst ich jetzt eigentlich das Knie auf den Boden bringen könnte, wenn ich wollte - oder meine leicht überstehende Packrolle - was ich nicht wollte.

Um darüber nachzudenken hatte ich aber keine Zeit, denn jetzt war ich zwar nicht am Limit, aber mit bepacktem Moped eindeutig jenseits der Wohlfühlgeschwindigkeit bzw. -schräglage! Jetzt sollte besser nichts Unplanmäßiges passieren!

Was ich zuvor nicht gesehen hatte: Die nächste Serpentine kam sofort hinter einer Kuppe in die Gegenrichtung!
Ich hoffte, daß es reichen würde, schnell genug wieder nach außen zu kommen, damit ich nicht gleich geradeaus durch die nächste Kurve fahren würde.
Aber alles klappte wie auf Bestellung. Ich flog perfekt kurvenaußen an dem Penner vorbei, schnitt ohne ihn oder sein "Reisetempo" zu gefährden vor ihm wieder auf die Außenseite, um mich sofort wieder nach links in die nachfolgende Gegenkurve fallen zu lassen, ohne die Ideallinie zu verlassen, den Speed unplanmäßig zu senken oder das Gas zuzumachen. All das innerhalb ein paar Sekunden, im ersten Gang, bei 5-stelligem ZXR-Geschrei. Auf der dann folgenden Geraden - den Hahn noch immer voll offen - hatte ich Gelegenheit nach unten, in den Übergang zur 2. Kurve zu blicken und zu sehen wie er mir wie vom Winde verweht hinterherblickte. Für ihn muß es so ausgesehen haben, als ob ich das hier jeden Tag veranstalten würde. Aber mein Puls verriet mir, daß mir auch eine Portion Glück dazu verholfen hatte, hier eine bühnenreife Vorstellung gegeben zu haben.
Während sich mein Herzschlag wieder normalisierte und ich den Spaß an den Ereignissen genoß, flog ich weiter durch die nächsten Serpentinen und schraubte mich weiter nach oben den Passo Campo hoch, als plötzlich am Kurvenausgang ein weiterer Vollpfosten auf der Ideallinie stand - ja STAND!
Aha, der zweite Spezialist des Tages: Die zuvor erwähnte Mille samt Reiter wartete auf ihr Gefolge!
Als er mich sah und erkannte, daß ich nicht sein Kumpel und daher bedeutend zügiger unterwegs war, riß es ihn förmlich in Fahrposition und er startete seine Göttin, als ob er ein Problem damit hätte, daß ich seinen Spezi verheizt habe. Ohne Rücksicht zog ich nach Innen und hackte auch an ihm vorbei, während sein V2 losblökte und ich beobachtete im Rückspiegel, daß er beim Starten fast nen Wheely hingelegt hätte.
Dann lief ich 2 Kurven weiter auf eine Dose auf, verlangsamte und der Heimvorteil der Mille schlug zu - oder diese Type hatte die Lust am Leben verloren.
In jedem Fall bohrte er an mir und dem Auto an einer Stelle in einer Steilhangrechtskurve und in einem Tempo vorbei, daß ich mir dachte, das war jetzt wieder mal ein italienischer Moment- auch im Leben dieses Italieners.
Na gut, Ehre, wem Ehre gebührt. Ja, soll er doch seinen Spaß am Touri-Ärgern haben. Am Sudelfeld hab ich den auch. Er hatte seinen aber nicht wirklich lange!
Nachdem auch ich an dem verängstigt dreinblickenden Rentnerpärchen im Auto auf einer überschaubaren Geraden vorbeigedröhnt war, lief ich auf Mr. Mille und einen Reisebus vor ihm auf. So nahe wie der an dem Bus klebte, konnte er unmöglich die nächste Kurve einsehen - ich von unten kommend aber schon!
Er mußte jetzt das Gleiche denken, wie ich zuvor von ihm, als ich meinen Geschwindigkeitsüberschuß ausnutzend, wieder fotogen auf Anschlag in Schräglage, an ihm und dem Bus vorbeischoss.
"Jetzt is aber gut gewesen!" dachte ich mir, reduzierte mein Tempo auf moderate Geschwindigkeit und nahm ruhig und ausgegelichen jede weitere Serpentine, um dann auf einer längeren Geraden auf Klaus zu warten.
Der kam dann auch relativ bald kopfschüttelnd um die Ecke und signalisierte mir bloß weiterzufahren, um dieses Duo hinter uns zu lassen. Offenbar hatte er Ähnliches erlebt.
Wenigstens Madonna di Campiglio selbst verfügt über eine sehr gut funktionierende Ortsumfahrung (unterirdisch durch Tunnel), so daß wir schnell und problemlos nach einem kurzen Orientierungsstop den Zenit des Verkehrschaos umfahren konnten. Unser Spezialisten-Duo wurde (Gott sei Dank) nicht wieder gesehen.
Die Straßen wurden kontinuierlich enger, schlechter und überlaufener. Die Parkplätze waren zur Mittagszeit überfüllt und es wimmelte von Wanderern und Ausflüglern. Man merkte einfach auf jedem Meter, daß wir ein Naherholungs- und Urlaubsgebiet erreicht hatten, so daß eine ambitionierte Fahrweise bei diesem Trubel nicht angebracht war.
Die Landschaft und damit die Schönheit dieser Strecke waren jedoch beeindruckend! Auf 1700m erblühte die Natur und es duftete nach Wald und Nadelholz als die traumhaft scheinende Sonne den dichten Wald erwärmte.
Als es wieder hinab ins Tal nach Dimaro ging, wurde der Duft hingegen unangenehm beißend! Es stank penetrant nach ausgeglühten Bremsen wenn man mal wieder auf einen der unzähligen Busse oder auf ein Wohnmobil auflief. Kein Wunder bei diesem Kurvengeschnörkel! Wirklich schade, daß man hier auf dem Motorrad nicht auf freie Straßen hoffen konnte.
Unten in Dimaro sagte ich zu Klaus, daß wir den nächsten einladend aussehenden Futterschuppen anfahren werden, damit ich wieder zu innerer Ruhe und Zufriedenheit kommen kann. Da es inzwischen nach 13:00 Uhr war und ich noch immer stocknüchtern war, war dieser Umstand (bei mir) ja nur natürlich.
Der Verkehr war nun erfreulich abgeflaut, da wir uns nun von den großen Touristengebieten und Städten entfernten. Weil unser Plan etwas gelitten hatte, wollte ich etwas Zeit gut machen und gab Stoff - jedenfalls wollte ich das! Unsere Strecke führte uns gerade bis auf knappe 1900m (Passo del Tonale) und mir fiel zum ersten Mal auf, daß man in dieser Höhe im 3. Gang schon mächtig Drehzahl benötigte, um in Bewegung zu kommen. Kam man mal unter 6500 1/min, war der 2. Gang von Nöten! Auf jedem weiteren Höhenmeter merkte ich, wie meiner Dame die Puste ausging und die Luft dünner wurde. Und dünner und dünner und ...
Hey, ja wasn das? GEIL!
In irgendeinem Kaff drängelte sich innerorts etwas vor mich, was mich dann doch mal ganz kurz hypnotisierte.
Zuerst dachte ich noch: "Wieder ne 600-er Honda!"
Diesmal wars ne RR. Was dann meinen Blick fesselte war aber nicht das Bike und auch nicht der unter dem Heck sitzende, leere Arrow, durch den man bis in den Luftfilter kucken konnte, nein, es war der Sozius!
(Krümel möge mir verzeihen!)
So was von einem Knackarsch, enge Jeans, schmale Taille und ein streng gebundener blonder Zopf, der bis in die brachliegende Kimme im "Luftspalt" zwischen Lederjäckchen und Jeans, ihres "Arschdekoltées" gereicht hätte, wenn sie nicht ein Jetbag auf dem Rücken gehabt hätte. Wenn Gott wirklich ab und an Ärsche selber formt - dieser war von Meisterhand geschaffen!
Boah Leute ... Eine Hammerkeule hatte sich da hinter dem Fahrer auf dem Sitzbrötchen zusammengefaltet. *SEUFZ*
Das änderte aber auch nichts daran, daß sich der Fahrer, der aussah, als hätte er sich gerade ne frische Rüstung beim Louis geholt, wohl auf die Kleidung seines Schnittchens rücksichtnehmend außerorts nur unwesentlich schneller bewegen wollte, als innerorts. Aber mein Tempo war mir gerade ziemlich wurscht! Ich brauchte eine ganze Weile bis mir das auffiel, da Klaus 2m hinter mir in meinem Rückspiegel erschien.
Na gut, wenn ich jetzt schon vorbei muß, sorge ich doch gleich für einen gebührenden Abschied: Also lud ich 2 mal durch und blies vor einer Rechtskurve so laut es ging (und das ging hervorragend!

) ins Horn und prügelte ohne Vorwarnung an Ritter Kunibert und seinem Burgfäulein vorbei.
Und so schwebten wir weiter in Richtung Ponte, von wo es dann wirklich über den Passo di Gavia ans Eingemachte gehen sollte.
Zuvor kamen noch einige ampelgesteuerte Baustellen, die den Weg zur nächsten sehnlichst erwarteten Futterkrippe verlangsamten.
Dafür kam aber in einer Warteschlange Kunibert nebst Pfirsich-Knackarsch nochmal vorbei. Da Klaus außer Sicht war und sich nicht durch die Warteschlange an einer dieser Ampeln quälen wollte, lies ich die beiden samt einer BMW und sonders einem 600-er Roller ziehen.
Ein paar km weiter erreichten wir dann schließlich den Außenposten der Zivilisation in diesem Tal - Ponte.
Mein Gott, wie sah es hier aus?
So schön Madonna die Campiglio mit seinen urigen Hütten und Hotels war, so kam es uns hier vor in einer russischen Bergwerks-Beton-Plattenbau-Siedlung gelandet zu sein. Wie kann man nur??? WIEDERLICH!!!
Meine volle Blase und mein Magen zwangen mich inzwischen dazu endgültig gewisse Bedürfnisse zu befriedigen. Auf einem großen Platz mit Kriegerdenkmal erblickte ich einen Schwarm Motorräder vor einer Kneipe. Also folgte ich meinem Instinkt und stellte mich dazu, voll der Hoffnung eine Biker-Kneipe gefunden zu haben.
Naja, mein Magen hatte sich etwas Besseres als ein überbackenes Panini erhofft, dafür war die Aussicht (ohne Betonbauten im Blickfeld) wirklich ...
Schlagartig besserte sich die Stimmung und mein Panini war dann doch nicht so schlecht wie anfangs befürchtet. Während ich noch kaute ...
... war Klaus auf der Suche nach dem Schlingel ...
der ihm die letzten Reste seines Profils geklaut hatte:
Wird Zeit daß wir weiter kommen und er diese Leiche zu Grabe tragen kann!
Frisch gestärkt und mit leeren Blasen machten wir uns wieder auf den Weg - ohne auch nur zu erahnen, was uns auf unserem Weg über den Gavia-Pass erwartete.
Daß die Straßen in Italien mit anwachsender Höhe schmäler und buckliger werden, ist uns inzwischen nun wirklich vertraut. Daß wir zum ersten Mal mit einer ZXR deutlich höher wollten, als jemals eine uns bekannte Person zuvor, wußten wir auch - das war ja der besondere Anreiz für uns, da ja schon auf dem Großglockner, mit seinen 2400m, Einigen unter uns der Spaß bereits vergangen ist.
Nachdem es erst nochmal ein Stück bergab gegangen war und der Leistungsverlust in dieser Höhe hier nicht auffiel, vergaß ich beinahe wie hoch wir bereits waren. Beinahe hätten wir die Abzweigung verpasst und nach einer weiteren Senke ging es sofort steil bergauf - anfänglich auf noch "normalen" Straßen. Bald hatten wir unsere bisherige Tagesmaximalhöhe überschritten und es wurde langsam wirklich Arbeit, unsere Böcke bei Laune zu halten.
In irgendeinem Kaff, am denkbar schönsten Arsch der italienischen Bergwelt, folgte ich, umringt von 3000-ern, einer Beschilderung rechts ab und zweifelte anfangs, daß dies unser Weg sein sollte. Ich rechnete eine ganze Zeit damit auf irgendeinem Bergbauernhof, in einer Sackgasse zu landen.
Ich brauchte einige Kilometer, um von der Meinung abzukommen mich verfahren zu haben und tatsächlich auf dem richtigen Weg zu sein: Das war der Gavia-Paß!!!
Die Straße wurde bald so schmal, eng und bucklig, daß ich fest davon überzeugt war, daß eine ZXR nicht für alle Straßen tauglich ist und auf dieser definitiv ganz falsch war. Die Straße hatte keine 2m Breite und die Haarnadelkurven machten ihrem Namen alle Ehre. Das erste Mal in meinem Leben schlug ich beim Durchfahren einer Kehre am Lenkanschlag an und kämpfte auf dem Moped stehend und balancierend um das verbliebene Gleichgewicht, bereit sofort abzuspringen und die Maschine aufzufangen, wenn sich das röchelnde Ding verschluckt und einfach abwürgt. Es wurde immer anstrengender durch diese Kehren zu kommen, da ich feststellte, daß mein Motor einfach ausging, wenn man ihn nicht auf Drehzahl hielt. Jede neue Kurve wurde eine Herausforderung, da einfach kein Drehmoment mehr abrufbar war!
Erschwerend kam hinzu: Es gab keinen Straßenrand, keine Leitplanken, keine Begrenzungspfähle! Auf der einen Seite blanker Fels, auf der anderen der freie Fall! Ich war erleichtert mir diese Strecke für den Rückweg aufgehoben zu haben. Ohne das Training der letzten Woche wäre ich wirklich überfordert gewesen. Jedenfalls wurde auf dieser Strecke mein persönliches Limit meiner Fahrkünste neu manifestiert - schlimmer kann es für mich auf der ZXR nicht mehr werden. An Klaus dachte ich in diesen Momenten garnicht - dazu wahr ich viel zu sehr mit mir selbst und meinem beladenen Moped beschäftigt.
Ein Gedanke drängte sich jedoch in mein Bewußtsein: Was täte ich, wenn Krümel jetzt irgendwo hinter mir wäre?
Klare Antwort: Ich würde vor Angst um sie keinen Meter mehr weiter kommen!
Ich war HEILFROH daß sie hier nicht dabei war - auch wenn ich mir die letzten Tage regelmäßig gewünscht hätte mit ihr hier Kurven zu fressen! Ich war froh außer Klaus NIEMANDEN dabei zu haben, um den ich mir Sorgen machen müsste!
Wenn ich dermaßen zu kämpfen hatte und arge Zweifel in mir aufstiegen, ob das was ich da tat wirklich noch mit dem Begriff "Verantwortung" in Einklang zu bringen war, wie würde es ihr wohl jetzt ergehen, oder jemandem der Berge und Kurven nur von Postkarten kennt? Dieser Pass war das härteste Stück Teer, das mir in 17 Jahren 2-Radfahren begegnet ist! Mein Gott, wer um Himmels Willen hat aus welchem Grund hier diese Straße gebaut??? Die Antwort kam ein paar Schweißperlen später.
Ich verschwendete keinen Gedanken ans Aufgeben! Dieser Paß wird geknackt! Egal wie fertig ich oben ankomme: Der Weg zum Gipfel ist das Ziel!
Irgendwann kam ich mir wieder vor, wie bei Herr der Ringe: Hinter jeder Kurve rechnete ich mit einer Horde Orks! (Jaja, die dünne Luft ...!)
Hier oben ist eine andere Welt! Unbeschreiblich für jemanden, der noch nicht hier oben war! Irgendwann ging es tatsächlich mal ein paar Meter geradeaus und in einer kleinen Niesche vor einer Serpentine hielt ich an.
Es war, als würde ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten die Augen öffnen und was ich sah war ... UNBESCHREIBLICH!!!
Wir hatten die Baumgrenze bereits überschritten und waren noch immer nicht oben! Der Weg stieg weiter unerbittlich an.
Mir fiel auf, daß ich klatschnass geschwitzt war und keuchte wie ein alter Greis! Aber was ich sah erfüllte mich mit reinster Euphorie! Nachdem ich wieder zu mir gefunden hatte, trieb ich mich an weiter zu kommen, höher, ganz hinauf! Ich wollte ganz nach oben und auf die Schönheit dieser Welt herabblicken. Also rappelten wir uns wieder auf und nahmen die letzten Kurven, so daß wir hier dem Himmel nicht mehr näher kommen konnten.
Als ich erkannte, daß wir nun den Eingang eines Hochplateaus erreicht hatten und auf die andere Seite mussten, hielt ich nochmals an. Ich glaube ich konnte nicht mal mehr den Helm abnehmen...
Es war so wunderschön! So erschlagend, so überwältigend! Ich kam mir sowas von winzig klein und unbedeutend vor ... Ich kanns echt nicht beschreiben! Klaus schaffte es nicht einmal mehr von seinem Bock und war, wie ich, von dem was wir sahen sprachlos, ergriffen und hypnotisiert - erschlagen!
Kaum hatten wir die nächsten Kurven durch- und die letzten Hügel umfahren, hatten wir es geschafft! Wir hatten das Hochplateau auf 2621 Höhenmeter erreicht! Und ich hatte gerade keinen Gedanken frei, um mir bewußt zu werden, daß wir in Kürze nochmal 150m draufpacken werden!
Ich empfand es als eine unbeschreibliche Erleichterung 3 km fast geraden Asphalt vor mir zu haben - ein vollkommen ungewohntes Fahrgefühl!
In dieser Höhe ist Mopedfahren wie Fliegen! Ich glaube ich hatte so knapp über 100 auf der Uhr, als ich mir bewußt wurde, daß hier oben auch in dieser Hinsicht eine ander Welt bestand und andere Regeln und Gesetze galten!
Man spürt und hört den Fahrtwind nicht mehr! Keine Widerstand, keine Kräfte die an einem zerren! Man schwebt einfach nur! Nichts kann einem hier oben etwas anhaben! Hier ist alles wie es überall sein sollte! Hier oben ist man frei, frei wie ein Vogel, als könne man fliegen... Ich bekam mein Grinsen kaum mehr unter Kontrolle!

(VON WEGEN!!!)
Und es öffnete sich ein Tal vor uns ...
Ich kann mir gut vorstellen, wie durchgeknallt sich das für Euch anhören muß, aber ich stand so dermaßen unter körpereigenen Drogen, ich schwamm förmlich in Adrenalin und Endorphin! Ich war sowas von high und körperlich am Ende, daß ich garnicht mehr weiß, wie wir von da oben wieder runter gekommen sind.
Aber irgendwie muß es wohl geklappt haben, denn nur ein paar Kilometer weiter landeten wir wieder volle Granate im Touri-Getümmel, als wir uns auf dem Weg zum Finale - zum Stilfser-Joch - im denkbar dicksten Verkehr wiederfanden (und mir bald wieder eine Hasskappe zwischen Helm und Kopfhaut wuchs!). Stau in Bormio auf knapp 2000m - welch Hochverrat an den bisherigen Erlebnissen!
Klaus muss es ähnlich gegangen sein, denn jetzt hatten wir beide das Messer zwischen den Zähnen! Wir wollten wieder hoch, in diese ander Welt! In die Welt der Freiheit und des Friedens!
Auch wenn unsere Mädels nicht mehr die sonst gewohnte Power hatten, sie hatten allemal genug für all die lahmen, stinkenden Busse und Familienkutschen, die auf dem letzten Loch pfeifend verzweifelt nach Sauerstoff rangen, um die sich bereits in Sichtweite befindlichen Serpentinen auf den Gipfel in Angriff zu nehmen. Graue Gesichter starten uns an, als wir kreischend wie die Furien die hier zweispurigen Kurven vergewaltigten. Jetzt wars vorbei mit der Ruhe und dem Idyll der Berge - JETZT KAMEN WIR! (UND WIE!!!) Und der ganze Berg sollte erbeben und bis in seine Fundamente erschüttert werden als er von uns attakiert wurde!
Der Anspruch dieses Anstiegs war für alle Fahrzeuge eine Herausforderung, aber bei dem was hinter uns lag ganz sicher nicht für uns! NICHT FÜR KLAUS, NICHT FÜR MICH, NICHT FÜR EINE ZXR!
Den ganzen knipsenden Opis entgleisten die Gesichtszüge, ich weiß nicht wie viele angewiederte, kopfschüttelnde Gestalten unserem Kondensstreifen hinterher blickten ... ES WAR MIR EGAL! DIE FESTUNG DES STILFSER-JOCHS WIRD FALLEN!!! DENN HIER KOMMEN WIR!
Jeder Meter Aspahlt ohne Gegenverkehr war eine Abschußrampe! Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben in so kurzer Zeit soviele Überholpunkte gesammelt, wie auf diesem Höhenflug! Jetzt gaben wir wirklich alles, mobilisierten die letzten Reserven, von uns und unseren Motorrädern.
Wir hatten es fast bis oben geschafft, als ich bemerkte daß bei voller Fahrt das Kühlgebläse anging und sich mein Temperaturzeiger warnend wie ein Zeigefinger erhob. Aber da meine Lady und ich die letzten Kurven vor der Valhalla bereits vor Augen hatten, konnte uns das nicht bremsen.
Es muß ein wahrhaft göttliches Bild gewesen sein, als wir mit 12.500 Touren durch das Tor zum Paradies, in Richtung Gipfel flogen, wie die Furien aus der Hölle beim Sturm auf den Sitz der Götter!
Und dann sah ich es ...
SIEG!
Ich fuhr nochmal kurz an, lies mich ausrollen und landete auf dem Platz der Tapferen, der Sieger, der Glorreichen!
Ich kann Euch garnicht vermitteln, was hier oben für eine Stimmung herrscht! Welches Glückgefühl hier jeder empfindet! Man fühlt sich, als könnte man dem lieben Gott die Füße küssen! Jeder hat ein Leuchten in den Augen, jeder weiß was er geleistet hat, jeder möchte vor Übermut am liebsten Platzen und jeden umarmen!
Ich saß gute 10 Minuten auf meinem Mäuerchen und ordente meine Gedanken. Irgendwie wusste keiner von uns, was er nun tun sollte, denn die größte aller Herausforderungen dieses Urlaubs hatten wir gemeistert! 2.760 gottverfluchte Höhenmeter, mit einem 15 Jahre alten Bock, der für die Rennstrecke gebohren wurde... Um uns rum NUR Mopeds auf neuestem Stand, mit Einspritzung und anderen Gehhilfen oder irgendwelche Hubraummonster, die ganz sicher nicht über den Gavia-Pass vor das Tor zum Himmel getreten sind...
Auch wenn ich es ansonsten affig finde, diesmal hatte ich das unbändige Bedürfnis nach einem Andenken, einem Leckerli, EINEM VERDAMMTVERDIENTEN ORDEN! Und ich wurde fündig:
Jetzt war alles getan! Ich war durch und durch glücklich und zufrieden und auch ein klein Wenig stolz auf mich und meine ZXR. Mir gingen die vergangenen 2 Jahre und die ewigen Schwierigkeiten mit meinem Bock durch den Sinn. Welche Wut hatte ich auf das Ding, wie bitter enttäuscht war ich, wie sehr sehnte ich mich nach meiner Twin zurück. Aber jetzt...
Sie hat mich nicht verlassen. Sie hat mich nicht hängen lassen, wie das Jahr zuvor, sie hat mir zur Seite gestanden, mit mir den Himmel erobert, wie ein bester Freund. Sie hat sich durchgekämpft, sie hat mich zum Sieg geführt, sie hat mir eine Ehre erwiesen! Was habe ich sie geschunden, was habe ich ihr abverlangt? Aber sie hat alles hingenommen, sie hat alles getan, was ich von ihr wollte! Ich habe sie gezähmt, jetzt gehört sie mir! (Oder doch umgekehrt?)
Jetzt weiß ich, daß ich mit ihr auch durch die Hölle reiten werde, wenn uns unser Weg dorthin führen sollte!
Ich war so stolz - auf sie, auf mich, auf uns! Und auch Klaus konnte nicht aufhören darüber zu sprechen, daß wir 4 etwas Ungewöhnliches geschafft hatten, etwas Besonderes, das nach unserem Kenntnisstand, noch keiner vor uns auf diesem Bike in Angriff genommen hatte. Es werden noch viele kommen und vielleicht waren auch schon welche da. Aber wir fühlten uns wie die Ersten!
Und wie ich so über mich, meinen Stolz und mein Moped sinnierte, stieg mir ein Duft in die Nase. Ein Duft wie ... GÖTTLICH! Egal was es war - DAS MUSSTE ICH HABEN!!!
Ein Typ wie aus einem Heimatfilm (Heidi?) mit Schlapphut und gebräuntem Gesicht stand vor einem kleinen Grillwagen und brutzelte etwas, das mich magisch anzog, mich verführte ... Südtiroler Bratwurst auf geröstetem Brot! (Ich schlucke auch jetzt schon wieder im Leerlauf, wenn ich daran denke!) Also stiefelte ich los, um mir mein Heldenmahl zu holen! Und wie geil das Ding war! Dort oben mutiert jede Banalität zu einem Wunder - dem ich mich gerne und voller Genuß hingab. Klaus durchstöberte derweil noch ein paar Souvenirläden.
Dann wurde uns klar, daß es bereits auf 16:00 Uhr zu ging und wir noch geschmeidige 300 km nach Hause hatten. Also sahen wir uns noch ein letztes Mal um, bevor wir uns auf den Weg zurück in das normale Leben machen mussten und ritten los.
Melancholische Gedanken quälten mich auf den ersten Metern, so daß ich das Absterben meines Motors der dünnen Luft zuschrieb und nicht begriff, daß ich meinen Seitenständer noch draußen hatte, der sich bei der ersten leichten Neigung in den Linksbogen, der ins Gefälle führte, knirschend im Asphalt verbiß. Ein kurzes Rucken und er war da, wo ich ihn vorher schon hätte platzieren sollen.
Na das wäre es jetzt gewesen! Klaus war zu dem Zeitpunkt vor mir und bekam es nicht mit.

Das hätte Mägga vom Meistä gegeben ...
Gott sei Dank ist nix passiert. Jetzt hab ich sie gerade so gelobt und dann passiert mir sowas ...
In jedem Fall kam mir der Übergang in die Serpentinen nach unten wie der Startbock einer Ski-Sprungschanze vor. Auch wenn der Aufstieg einen Höllenspaß gemacht hatte: Die Straße auf dieser Seite - also der nördlichen - erinnerte mich stark an Strecken, die bereits hinter uns lagen.
Der Teer war GROTTENSCHLECHT, von Schlaglöchern übersäht und bedeutend enger als die 2-spurige Landebahn auf der Südseite.
Hier war wieder Arbeit angesagt. Und das was ich sah verriet mir, daß es ein Weilchen dauern wird, bis wir unten sind.
Hier bekam ich Respekt vor den Busfahrern, die sich hier hochquälten - bzw. runter. Wir hatten natürlich keine Probleme, auch wenn ich langsam in den Armen und Schultern merkte, daß sie am heutigen Tage bereits einiges geleistet hatten.
Etwa bei Halbzeit der Hauptsteigung hielt ich einfach mal an und blickte zurück:
Da kamen wir her:
Und da müssen wir noch hin:
Die Augen links:
Und so sieht das Ganze von ganz unten aus:
Und so kamen wir zurück in die Zivilisation, auf langweilige, breitausgebaute Straßen, mit vielen Autos ... *SEUFZ*
Naja, es muß halt sein.
Wir hatten, als wir das erste mal unseren Heimweg planten, allen Ernstes vor, jetzt nochmal nach rechts abzubiegen und über Meran das Timmelsjoch in Angriff zu nehmen.

Aber nach dem was wir bereits hinter uns hatten und zu dieser fortgeschrittenen Stunde, wäre das wohl völlig bescheuert gewesen. Aber wir kommen ja wieder ... Auch wenn die Ösels uns dafür 11€ aus der Tasche ziehen werden: Das sind wieder geile 2500m, die zu erobern sind - nächstes Jahr!!!
Schnell wurde die Natur um uns herum gewohnt unspektakulär - ebenso wie die Straße Richtung Reschenpass.
Mit jedem weiteren Meter, der uns näher an die Heimat heranführte, wuchs meine Unlust!
Morgen darf ich nochmal ausschlafen, dann Auspacken, Klamotten sortieren, Waschen, nochmal Pennen und am Montag... FUCK!!!... ARBEITEN!!!
Diese Gedanken beschäftigten mich über Kilometer! Nicht vielleicht doch noch schnell zum Timmelsjoch?
Und dann wäre es beinahe passiert!
In einer Ortschaft leuchtete mir die tiefstehende Sonne zwischen den Häusern in einem chaotischen Raster und so unglücklichen Winkel ins getönte Visier, daß ich immerwieder geblendet wurde und kaum mehr sehen konnte, was sich vor mir tat. Vor einer Ampel sah ich dann im definitiv ALLERLETZTEN MOMENT das stehende Auto vor mir.
Mehr aus Reflex, als durch Kontrolle griff ich derart in die Eisen, daß mein Vorderrad sich wiederwillig aufkreischend in den Asphalt krallte und mein Heck sich samt Packrolle und mir ein gehöriges Stück erhob!
20 cm hinter dem Auto kam ich zum Stehen. All das realisierte ich erst als ich stand und mein Puls in meinem Kopf auf die Alarmglocke hämmerte. Ich habs echt nicht gesehen, obwohl ich garnicht so unaufmerksam unterwegs war, da wir weiterhin durch ununterbrochene Überholmanöver von Schnarchtüten und Wohnmobilen zur Konzentration gezwungen waren.
Klaus hatte all das von hinten beobachtet und zog es ins Lustige. "Hey, Dein erster Stoppy! Krass!!!" Aber mir war alles Andere als zum Lachen zu Mute, mir ging die Düse bis nach ...
Das war dann der Punkt, an dem ich entschied zu akzeptieren, daß man irgendwann etwas mehr Ruhe in den Fahrstil bringen sollte, auch wenn wir die ganze Zeit alles unter Kontrolle hatten und ohne übermäßige Risikobereitschaft unterwegs waren.
Da der Reschensee unmittelbar vor uns lag, der Tank fast leer war und wir noch das "Ösi-Pickerl" für die Dosenbahn bis hinter Innsbruck benötigten, war das auch nicht weiter schlimm. Nein, es war beinahe göttliche Fügung genau hier vom Gas zu gehen!
Wir hatten noch keinen österreichischen Boden befahren, da standen wir auch schon unter schärfster Beobachtung!
Unmittelbar hinter dem von Weitem einsehbaren ehemaligen Grenzposten, sahen wir dahinter eine Tankstelle samt Kiosk. Auf Geschwindigkeitsbegrenzungen haben wir seit Tagen nicht mehr geachtet und nur durch den Umstand, daß wir diesen Sprithafen anlaufen mussten, rollten wir mehr als wir fuhren über die Grenze - unter anderem auch an einem Bushäuschen vorbei. Und da standen sie, die touristenfreundlichen Schandis und leuchteten mit der Laserpistole, über die Landesgrenze hinweg, uns entgegen...
Von "Schwein gehabt!" will ich ja garnicht sprechen, aber ... GEHTS NOCH??? Ich bin noch nicht mal bei den Pennern angekommen und muß schon um meinen Lappen bangen???
Das Schild "Willkommen in Österreich" hätte ich den Jungs am Liebsten in die Fresse gehauen! Boah, was hatte ich nen Hals!
Also, schnell getankt, eine Flasche Wasser und eine Tafel Schokolade vernichtet, den Idioten-Papper gekauft und auf das Ram-Air geklebt und los gings Richtung Landeck und dann weiter auf die Autobahn Richtung Innsbruck.
Das waren für mich die härtesten 150km dieser Woche. Kaum hatten wir die Schnellstraße vor Landeck und die ersten Meter auf der Autobahn hinter uns gebracht, als wirklich mein ganzer Körper anfing zu schmerzen und zu brennen. Mit konstant 140 km/h cruisten wir dahin, während sich erst mein Nacken, dann meine Schultern und schließlich meine Beine verkrampften. Ich konnte einfach keine Sitzposition mehr finden, die ich als erträglich empfunden hätte. Diese paar Kilometer zogen sich ewig! Lediglich der ein oder andere Tunnel sorgte für ein wenig Spaß!
Klaus Shark-Endtopf hatte ja schon immer einen guten Sound. Aber er begann jetzt in jedem Tunnel die Tonlage aufs neue zu testen. Und als ich mich hinreißen ließ das Spielchen mitzumachen und dabei auch darauf zu achten sein Drehzahlniveau exakt zu übernehmen, stellte sich heraus, daß nicht nur mein Sebring im Vergleich zum Start vor einer Woche deutlich an Schalldruck gewonnen hatte, nein, das stimmgewaltige Duett unsere Damen sorgte für Gänsehaut! Geil! Resonanz im Tunnel ... wie gerne hätte ich das von außen gehört!
Bei Jenbach durften wir endlich von der Drecksautobahn runter und ich führte uns über einen Schleichweg hoch zum Achenpass. Am Ufer des Achensees pausierten wir gegen 19:00, bei den letzten Sonnenstrahlen des Tages kurz auf eine Zigarette und ein paar Schokoriegel, informierten den Heimathafen über die baldige Ankunft und starteten zum letzten Tankstop vor der deutschen Grenze.
Jetzt wurde es auch langsam Zeit heimzukommen, da ich mit meinem getönten Visier langsam in Schwierigkeiten kam.
Bei der letzten österreichischen Tanke füllten wir zum letzten Mal unsere Kessel und fuhren, vorbei am Tegernsee, meiner Heimat entgegen.
Kurz hinter dem Tegernsee ereignete sich, vermutlich zufällig, das letzte Tages-Highlight.
Als wir den Ortsausgang von Dürnbach erreichten, hörte ich wie sich Klaus etwa 50m vor dem Ortsschild "ganz zufällig" in den zweiten Gang verirrte und hinter mir die Drehzahl hielt.
Aha! Ok!

Er näherte sich ganz langsam von rechts hinten. Also zog ich nach links, lies ihn neben mich ziehen und schaltete ebenfalls runter. Zwei gleiche Mopeds, zwei gleiche Übersetzungen, zwei beknackte Typen, eine Drehzahl - alles klar!
Exakt am Ortschild von Dürnbach ereignete sich am Abend des 24. Augusts a.d. 2007 ein Attentat auf den bayrischen Weltfrieden.
Der Wahnsinn! Wir ließen sie los, wir haben sie sowas von losgelassen, angetrieben, abgeschossen! Uns gelang ein Synchronstart, daß Paolo in Foxi noch gehört haben muß, daß wir beinahe unsere Heimat erreicht hatten!!! Wir quetschten in perfekter Harmonie und Formation den 2. Gang bis aufs Letzte aus und unsere Schallschleppe schob uns bis in die nächste Ortschaft. Boah, wie geil! Ich möchte nicht wissen, wer da alles mit schmerzverzerrtem Gesicht in Deckung gegangen ist...
10 Minuten später, um Punkt 20:00 Uhr waren wir bei mir zu Hause.
Jetzt war es vorbei ...
Beim Absteigen merkten wir beide, was wir hinter uns hatten. Beim Entladen unserer Mopeds hatten wir schon Blei in den Gliedern und auf der Treppe in den 2. Stock, kam mir das Treppenhaus wie ein Kirchturm vor.
Krümel und Christian, unser Nachbar, erwarteten uns bereits. Der Tisch auf dem Balkon war wunderschön gedeckt und in der Pfanne brutzelten 4 fette Steaks - GENAU DAS, WAS WIR NACH DIESEM TAG BENÖTIGTEN!
Nach einer herzlichen Begrüßung und der Übergabe meiner Mitbringsel an Krümel (ich hatte die perfekte Wahl getroffen!!!) merkte ich erst welchen Hunger ich hatte. Wir saßen in der Abeddämmerung und genossen unser Essen und das erste Weißbier nach einer Woche - und noch eins ... und noch eins ... und ...
Als ich dann später im Bett lag, lies ich die vergangenen Tage nochmal vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen.
Wir waren lediglich 6 Tage unterwegs, aber der Erlebniswert sprengte alles! Ich hatte wirklich Schwierigkeiten mich an jede Einzelheit zu erinnern. Daher habe ich diesen Bericht nicht nur für Euch, sondern auch für mich niedergeschrieben. Vor allem dieser letzte Teil hat das Fernweh in mir entzündet! WAS EINE GEILE WOCHE! Und wenn Ihr schon beim Lesen schwitzige Finger bekommen habt... Es ist nur ein müder Abklatsch von dem was wir erlebt und empfunden haben!
Zum endgültigen Schluß möchte ich mich herzlich bedanken! Bei Euch allen, die einen wesentlichen Teil dazu beigetragen haben, diesen Monsterbericht zu tippen, aber vor allem bei Klaus der den ganzen Blödsinn mitgemacht und miterlebt hat!
Dies war eine der mit Abstand schönsten Wochen meines motorisierten Lebens - aber ganz sicher auch eine der Härtesten!
